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Text-Rezensionen

zum Text: Eine Seehundsjagd

Lesevergnügen 1 Punkt 1 Punkt 1 Punkt 1 Punkt kein Punkt
Information über Land und Leute 1 Punkt 1 Punkt 1 Punkt 1 Punkt kein Punkt
Biografische Bedeutung 1 Punkt 1 Punkt 1 Punkt 1 Punkt kein Punkt


Eintrag von Rüdiger (vom 15.4.2007) (weitere Einträge von Rüdiger)

Über diesen Text kann man sehr geteilter Meinung sein.

Interessant ist ja schon, zu realisieren, wie Zeitschriften damals wie heute aus Fakten und Fiktion eine „Wahrheit“ zusammenmischten und mischen, die der weniger geneigte Leser ohne Filter ganz und gar für bare Münze nimmt. Im „Guten Kameraden“ gab es Zeichnungen, und, mit einigen Kenntnissen über Sachverhalte versehen, fabulierte ein Schreiber munter drauf los. Heute nimmt man Fotos.

Die Robbenjagd ist ein Erlebnis spezieller Natur, aber, wie sagt schon der wohlwollende Oheim und Erzieher besonderer Art in der Geschichte: „durch das Auge lernt man schneller als durchs Ohr, und nur was man selber sieht, kann man gesehen haben“.

Der Erzähler lernt Leute kennen, die ungewöhnlicher differenzierter Betrachtungsweise durchaus fähig sind,

„Er liebte die Robben, obgleich er viele Tausende von ihnen erschlagen hatte. Ganz besonders sprach er von ihren großen, schönen Augen, deren Ausdruck demjenigen des menschlichen Blickes gleicht. Er behauptete, daß jeder Hieb, den er nach einem Seehunde führte, zugleich ihn selbst im Innern getroffen habe“,

das erinnert an Hemingway und seinen den Stierkampf weltanschaulich betrachtenden „Tod am Nachmittag“.

„Gegen anderthalbhundert Menschen sprangen, mit Knütteln bewehrt, auf das Eis, zogen ihre Fahrzeuge schnell nach und fielen dann schreiend über die armen Tiere her. Da wir uns in der Mitte des Tages befanden, waren nur junge, kaum zwei Wochen alte Robben vorhanden, welche zu schwach und unerfahren waren, als daß sie die Flucht in das Wasser hätten ergreifen können. Sie wurden alle erbarmungslos erschlagen.
Ich wendete mich ab, da ich das nicht mit ansehen machte; Harper fluchte und wetterte wie ein Landsknecht über diese schonungslose Schlächterei, und der Kapitän erteilte die Weisung, vollen Dampf zu geben.“

„Es überlief mich ein mit Grauen gemischtes Mitleid, als ich sah, daß ein jeder sich auf den nächsten Seehund warf, um ihn mit einem Hieb auf die Nase zu töten. Die Tiere hatten so große, schöne Augen und ein gar so hilfloses Aussehen. […]
Das Morden nahm also seinen stillen, heimtückischen Fortgang. Harper verstand das, was ich fühlte, nur zu wohl; darum sprach er keine Aufforderung aus. Er wußte aus eigener Erfahrung, daß das Jagdfieber mich sehr bald ergreifen werde. Und -- es packte mich allerdings schon nach kurzer Zeit. Als ich das Wild in solchen Scharen fallen sah, geriet ich in einen Zustand, als ob ich eine mehr als tüchtige Portion Grog getrunken hätte. Es trieb mich förmlich zu einer feisten Robbe hin, welche eben das Wasser gewinnen wollte. Ich holte aus - ein Hieb auf die Nase, sie war tot; der Geist der Eisgründe hielt mich fest, und ich gehorchte ihm, bis der Ertrag dieser ersten Jagd ein solcher war, daß Einhalt geboten werden mußte. Da wich die Aufregung von mir, und ich bekam Ohr für die vielen, vielen armen Jungen, welche sich angstvoll und mühsam auf dem Eise umherschleppten oder bei ihren erschlagenen Müttern lagen und dabei genau wie kleine Kinder wimmerten. Ich schlich mich in mein Boot und setzte mich da einsam nieder, um nicht sehen zu lassen, daß es Salzwasser außer in der See auch im menschlichen Auge gibt. Mein Trost war, daß wir nicht nur sämtliche Jungen verschont, sondern auch sehr viele Alte absichtlich entkommen lassen hatten.“

Es ist eben beides da, Mordlust wie Mitleid, und diese differenzierte Ehrlichkeit gefällt mir an dieser Geschichte.

„Am nächsten Tage erlegten wir eine noch größere Menge Mützen- oder Haubenrobben, deren Pelz sehr gut bezahlt wird; […] Ich muß so ehrlich sein, zu gestehen, daß ich auch da und späterhin immer mitschlug; es war eben schwer oder gar unmöglich, der Aufregung zu widerstehen.“

Am Ende wird, und das ist nun wirklich sozusagen ein ganz dicker Hund, eine Robbe vor einem Schwertfisch gerettet und als liebes süßes Tierchen von der versammelten Mannschaft der knüppelnden Mörder mit heim genommen. Das ist so perfide wie realistisch; so verlogen, bigott und unbewusst ist der Mensch, in seinem Wahn.

„Sie war ein einjähriges Männchen und wurde während der Rückfahrt der Liebling aller Schiffsmaaten, besonders aber der meinige. Ich nannte das zutrauliche Tier Robby, auf welchen Namen es heute noch hört, und wenn einer der ›guten Kameraden‹ Lust hat, meinen Robby und die Kunststücke, welche ich ihn gelehrt habe, zu sehen, so sei er herzlich zu mir eingeladen“
-
Die Leute stehen lächelnd dabei, wenn ihre Kinder auf Tauben losgehen, sie finden es lustig, vom Hühnerschlachten oder Katzenersäufen zu erzählen, und wenn auf der Freilichtbühne mit lautem Bummbumm fröhlich gemordet und gestorben wird, dann freut sich Groß & Klein, aber wenn z.B. mal eine arme Sau von überforderter Mutter mit ihrer ungewollten Leibesfrucht das macht, was man bei den Katzen gemeinhin als lustig zu schildernde Notwendigkeit ansieht, dann empört sich die ganze Fernsehnation im bequemen Polstersessel und weiß vor Entrüstung und Abscheu gar nicht mehr aus noch ein. -

*

Nachtrag: ich habe mittlerweile mehrfach gelesen, daß Leute diese Sache mit der kleinen Robbe am Schluß für versöhnlich stimmend halten. Ich mag es kaum glauben. Merken diese Leute die Verlogenheit, Bigotterie und Perfidität dieser Angelegenheit nicht ? Verschließen sie ihre Augen davor, weil sie es nicht ertragen würden, genau hinzugucken ? Können intelligente Menschen wirklich so unbewußt sein ?

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